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Rezension von Vivianne Lehmann

Rezension „Von Ölsardinen und Jagdhörnern …und was so nebenbei anfällt“
Autor: André Noltus, Edition Schaumberg, erschienen November 2014

Erstellt von Vivianne Lehmann
Walter-Klausch-Str. 1 B, 14482 Potsdam
0331 27385059, 0151 10746051, vivi.lehmann@email.de

Was wäre unsere Welt ohne all die täglichen kleinen Verrichtungen wie Putzen, Einkaufen und Kochen? Dass sie leer und beinahe sinnlos wäre, wird jedem Lesenden spätestens nach der Lektüre dieses hübsch gemachten Buches der edition Schaumberg, dem regionalen Verlag aus Marpingen, wie Schuppen von den Augen fallen.

Das Augenmerk des Titels liegt im Grunde auf seiner Unterzeile: „…und was so nebenbei anfällt“. Denn darum geht es dem Autor in seinen Kurz-Erzählungen, einem Genre, auf das er sich versteht. Der Neunkirchener Schriftsteller André Noltus sinniert über die alltäglichen Dinge des Lebens und nimmt uns mit hinein in den ganz gewöhnlichen Alltag mit seiner geliebten Frau, die entscheidend daran teil hat, wie er diesen zu verrichten hat. So jammert der Protagonist hin und wieder über die vielen Verrichtungen, die seine Frau ihm immer wieder auftischt und findet am Ende doch seinen Sinn darin.
So muss zum Beispiel, bevor ein angekündigter Besuch erscheint „die Wohnung feucht gewischt, die Tische blank gerieben (Glas und Wurzelfurnier), das Tafelsilber geputzt, eine saubere Tischdecke aufgelegt“ werden. Dies wäre nicht unbedingt einer literarischen Erwähnung wert, wenn nicht der eingangs dargestellte Widerwillen des Protagonisten sich am Ende in pures Entzücken verwandeln würde ob des schönen gemeinsamen Abends mit dem Besuch und der guten „Mousse au Canard“.

Als Lesender nimmt man teil am Feinschmecker-Leben des Ich-Erzählers und in einer der Kurz-Geschichten wird gar das ganze Rezept für Pfannkuchen mit Pilzfüllung beschrieben. Liebevolles Lokalkolorit schildert der Autor in den Einkaufs-Geschichten, die auf dem Markt in Neunkirchen spielen und man möchte sofort den Marktgesprächen lauschen und etwas Epoisses und Cremeux bourgignon verspeisen!

Über sich selbst zu lachen ist eine Kunst, die der Autor beherrscht. In der Kurz-Geschichte „Der Fall“ erhöht sich der Spannungsbogen, durch die Ankündigung, dass er die Dinge durchaus mal fallen lässt. Am Ende liegt er der Länge nach auf dem Neunkirchener Antik- und Trödelmarkt „wie ein nasser Mehlsack“ und zieht das Fazit, das nächste Mal lieber seine Frau tragen zu lassen.

In seiner Mäusegeschichte zeigt der Autor einmal mehr seine Fähigkeit Details zu beobachten und aus der anfänglichen Euphorie über die süße Maus landet er am Ende bei der Tätigkeit „tagelang Mäusekötel“ aus allen Schubladen zu waschen.
André Noltus schreibt in seinen Kurz-Geschichten die Welt nicht schön, doch es gelingt ihm mit einem Augenzwinkern seine Welt in Neunkirchen trotz der alltäglichen Widrigkeiten zu genießen. Dieses Büchlein ist wie eine gute Rinderroulade. Traditionsbewusst, ordentlich gewickelt und ohne experimentelle Beilagen.